Die Lipno-Region früher und heute

Geschichte der Region Lipno

Altertum der Region Lipno

Die ältesten archäologischen Funde deuten darauf hin, dass das Gebiet entlang der Flüsse Vltava (Moldau), Malše und Otava bereits in der jüngeren Steinzeit (etwa 6. Jahrtausend v. Chr.) besiedelt war. Ausder Bronzezeit (etwa 14. Jahrhundert v. Chr.) stammen Funde von Hügelgräbern, die ein typisches Zeichen für frühe landwirtschaftliche Kulturen darstellen, die dieses Gebiet durchwanderten. Die Eisenzeit steht im Zeichen der Keltenbesiedlung auf unserem Gebiet (5. Jahrhundert v. Chr.). In dieser Zeit entstanden neben den keltischen Hügelgrabstätten auch die charakteristischen befestigten Siedlungen, die sog. Oppida, deren Reste in vielen Lokalitäten Südböhmens zu finden sind. In der Zeit der Völkerwanderung (4. bis 6. Jahrhundert) war unser Gebiet von verschiedenen germanischen Stämmenbesiedelt, von denen die Markomannen am bekanntesten sind, die sich später auch auf dem Gebiet des heutigen Bayern ansiedelten. Im 5. bis 6. Jahrhundert kamen die Slawen in unser Gebiet und die Besiedlung von Südböhmen schritt voran, soweit es die stark bewaldete und oft undurchdringliche Landschaft erlaubte. Die ersten Pfade und Siedlungen entstanden entlang der Flüsse, die gleichzeitig einen wichtigen Verkehrsweg darstellten. Das Vorland von Šumava (Böhmerwald) wurde früher besiedelt, als die Berggebiete, da es bessere natürliche Bedingungen und ein wärmeres Klima hatte und dadurch bessere Möglichkeiten für den Nahrungserwerb bot.

Mittelalter der Region Lipno

An der Kolonisierung des Böhmerwald-Gebiets waren seit dem 13. Jahrhundert vor allem die Witigonen, der tschechische König sowie von deutschem Gebiet aus die Bajuwaren beteiligt. Die systematische Kolonisierung der Gebiete am Oberlauf der Moldau begann zur Zeit des Wok I. von Rosenberg (1220–1262). Über Jahrhunderte war dieses Gebiet vom Machtkampf der damaligen Herrschaften geprägt. Auf der einen Seite standen Český Krumlov, die Residenzstadt der Witigonen und Rosenberger, und das Kloster Vyšší Brod (Hohenfurth), das bereits von jeher von den Rosenbergern unterstützt wurde und unter deren starkem Einfluss stand. Auf der anderen Seite stand die Königsstadt České Budějovice (Budweis) und das Kloster Zlatá Koruna (Goldenkron), als Symbole für die königliche Macht, die das Expansionsbestreben der Witigonen und später der Rosenberger bremsen sollten.

Im Böhmerwald waren seit jeher die tschechische mit die deutsche Bevölkerung vermischt, es gab viele Mischfamilien, die dortige Bevölkerung sprach oft beide Sprachen. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelten sich hier Glasproduktion und Holzabbau. Ursprünglich holzten die Ansiedler die Wälder ab und brannten sie nieder, um landwirtschaftlichen Boden zu gewinnen. Mit der Zeit wurde das Holz aber zu einem wichtigen Rohstoff, das sie verkaufen konnten. Dadurch entstand die Frage, wie man das Holz am Besten ins Landesinnere befördern könnte. Die Lösung war, es mittels Flößen auf der Moldau zu transportieren. Im Jahre 1590 erließ Petr Wok von Rosenberg die erste Floßordnung für die Moldau und die Entwicklung vom Flößen erreichte Ende des 18. Jahrhundert mit dem Bau des Schwarzenbergschen Schwemmkanals ihren Höhepunkt.

Neuzeit der Region Lipno

Die Entwicklung von Wissenschaft und Technik im 18. und 19. Jahrhundert hatte sich im Grenzgebiet nicht sonderlich durchsetzen können, das Böhmerwald-Gebiet blieb auch weiterhin wirtschaftlich hinter dem Landesinneren zurück. Aus der heutigen Sicht half dies, die Natur zu erhalten, obwohl der Alltag der damaligen Bevölkerung sicherlich nicht einfach war. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann dann auch hier langsam die Industrialisierung in Form von Textilherstellung, Holzbearbeitung und Papierproduktion.

Die beiden Weltkriege brachten eine Reihe von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Problemen mit sich und forderten hier genauso wie in ganz Tschechien etliche Menschenopfer. Entscheidenden Einfluss auf das Bild und die Entwicklung des Böhmerwald-Grenzgebiets hatten die politischen Ereignisse nach 1945. Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung führte zur Entvölkerung vieler Gebiet im tschechisch-österreichischen und tschechisch-deutschen Grenzgebiet. Viele kleine Gemeinden gingen unter, da die Wiederbesiedlung nur sehr langsam voran ging. Außerdem wurde das gesamte Gebiet am rechten Moldauufer der Grenze entlang nach der Entstehung des eisernen Vorhangs sehr streng überwacht und die Bewegungsfreiheit war hier eingeschränkt. Während der Kollektivisierung in den 50er Jahren begann man mit dem Aufbau von landwirtschaftlichen Großbetrieben. Abgesehen von dem politischen Ziel und den Schwierigkeiten, die dieses Vorgehen für viele Familien bedeutete, brachte ihre Gründung Arbeitsmöglichkeiten auch in abgelegene Landgebiete. Gleichzeitig hatte man jedoch begonnen, Wohnhäuser und Kulturgebäude zu bauen, die nicht in die Landschaft passten. Bis heute ist dadurch das architektonische Bild der meisten Gemeinden im Böhmerwald beeinträchtigt. Ein bedeutendes Ereignis war der Bau des Lipno-Stausees, der die ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung der Region vorantrieb, gleichzeitig aber auch die Sicherung der Staatsgrenzen erhöhte und verstärkte Kontrollen der Bevölkerung bedeutete. Einen enormen Beitrag zum Schutz von Natur und Landschaft des Böhmerwaldes bedeutete im Jahre 1963 die Erklärung der Region zum Naturschutzgebiet.

Gegenwart der Region Lipno

Nach der Grenzöffnung im Jahre 1989 entstanden neue Grenzübergänge, private Unterkünfte und Gaststätten, das Bild der Gemeinden hat sich dank Haus- und Fassadenrenovierungen stark gewandelt und die Lipno-Region zog immer mehr Investoren an. Dies alles trug zur Belebung des gesamten Gebiets bei und förderte die Entwicklung im Bereich des modernen Reisens. Im Jahre 1991 wurde zum Schutz von besonders wertvollen Lokalitäten der Nationalpark Šumava (Böhmerwald) ausgerufen. Die Gemeinden im Grenzgebiet sind in sog. Mikroregionen vereinigt und knüpfen partnerschaftliche Beziehungen mit Gemeinden aus dem benachbarten Österreich und Deutschland an.